Hoffnung statt Wehmut
Es gibt Menschen, die blicken bereits im Juni wehmütig auf einen bestimmten Tag: die Sommersonnwende. Denn ab dann werden die Tage wieder kürzer. Für Sommer-Menschen ist das eine schmerzliche Erfahrung. Eine dunklere Zeit kündigt sich an, die Temperaturen sinken, und wir müssen uns warm anziehen. Für diese Menschen gibt es im Jahr im Grunde zwei Phasen: die Zeit, in der es bergab geht – und dann, irgendwann im Dezember, den Wendepunkt, an dem es wieder bergauf geht. Dann darf man langsam hoffen: auf die Sonne, auf die Natur, die erneut erblüht. Jetzt, Anfang September, spüren es alle: Die Morgenluft ist kühl, die Dämmerung setzt früher ein. Der Herbst steht vor der Tür. Ein Dozent an der Uni sagte einmal zu uns: „Wenn ich am Ende meiner Tage einen Wunsch frei hätte, dann wäre es: Bitte, noch ein Sommersemester.“ Ich zähle mich selbst auch zu den Sommer-Menschen. Und wenn ich die folgenden Zeilen schreibe, dann schreibe ich auch an mich selbst:
Weg mit der Wehmut! Ja, die Tage werden kürzer, doch auch diese Zeit hält Überraschungen bereit. Auch diese Monate haben ihren eigenen Zauber. Und am Ende steht etwas Wunderbares: der Frühling. Umso prächtiger erscheint er uns, umso erfüllender wirkt er auf unsere Gemüter, wenn eine kalte Jahreszeit hinter uns liegt. Liebe Sommer-Menschen, lasst uns nicht wehmütig auf die vergangenen warmen Tage blicken, sondern hoffnungsvoll auf das, was kommt. Entscheiden wir uns bewusst für die Hoffnung.
Warum schreibe ich das als Einleitung für einen Newsletter zur Neuevangelisierung? Weil sich viele kirchlich gesehen ähnlich fühlen: als seien wir in einer Zeit des Rückgangs, als müssten wir uns „warm anziehen“. Dieses Gefühl mag berechtigt sein. Aber: Seien Sie gewiss – was auch kommen mag, es wird wieder ein Frühling kommen! Und er wird die Kirche beleben und aufblühen lassen. Wann dieser Tag der kirchlichen „Wintersonnwende“ kommt, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber wir dürfen eine Haltung der Hoffnung bewahren. Bischof Stefan Oster sagte 2021 bei einem „Abend der Hoffnung“ im Passauer Dom: „Der Herr verlässt seine Kirche nicht.“ Das ist unsere Hoffnung. Darauf dürfen wir bauen.
Alexander Woiton mit dem Team des Referats Neuevangelisierung
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